Alle unter einem Dach: Das Haus als Ort der Familie.

Der Begriff «Familie» löst viele Vorstellungen, Konzepte und Möglichkeiten der Definition aus. Ein Blick in die Geschichte und auf die Herkunft des Wortes selbst eröffnet ein weiteres Bild.
Im antiken Griechenland sprach man nicht von Familie, sondern vom «Oikos». Der Begriff bedeutet «Haus», meinte jedoch weit mehr als ein Gebäude. Der Oikos umfasste das gesamte Lebensgefüge: Verwandte, Bedienstete, Besitz, Tiere und Land. Er war wirtschaftliche Einheit, soziales Umfeld und Existenzgrundlage zugleich. Zugehörigkeit entstand weniger durch emotionale Bindung als durch gemeinsames Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften innerhalb dieses Gefüges. Selbst die «Oikonomia» – die Haushaltsführung und der Ursprung unseres heutigen Begriffs der Ökonomie – leitete sich daraus ab. Das Haus war also Ordnungssystem und Wirtschaftsmodell zugleich.
Architekturen des Zusammenlebens
Jedes Haus hat einen Grundriss. Noch bevor ein Gebäude bewohnt wird, legt seine Struktur fest, wie Zusammenleben möglich wird. Wände ziehen Grenzen, Räume ordnen Lebensbereiche. Ein Grundriss ist dabei nie neutral. Er entscheidet darüber, welchen Bedürfnissen Raum gegeben wird und welchen nicht. Wo Gemeinschaft entsteht, wo Rückzug möglich ist, wo Bedürfnisse befriedet werden und wo Begegnungen bewusst stattfinden.
Türen machen diese Ordnung beweglich. Sie verbinden Räume miteinander und machen sie durchlässig. Gleichzeitig markieren sie Grenzen zwischen Innen und Aussen, zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss. Wer darf eintreten? Unter welchen Bedingungen? Wer wird empfangen, wer bleibt draussen? Wie erhält man Zu- und Austritt? Türen können offenstehen oder für immer verschlossen bleiben. Die Schwelle, als unscheinbarer Ort des Übergangs, verhandelt Zugehörigkeit. Wer sie überschreitet, betritt nicht nur einen Raum, sondern immer auch ein bestehendes Gefüge.
Grundlagen des Zusammenwirkens
Zusammengehalten wird all das durch ein Tragwerk. Meist bleibt es unsichtbar und bestimmt doch über den Bestand eines Gebäudes. Gleichzeitig kann ein Tragwerk marode werden, ohne dass es von aussen sichtbar wird. Manche Häuser erscheinen stabil und tragen doch kaum noch – andere wirken brüchig und besitzen dennoch ein belastbares Fundament.
Hier setzt FUTUN an: Mithilfe einer Strukturanalyse und einer gemeinsamen Begehung des Bestands wird die Tragfähigkeit der Konstruktion geprüft und das Potenzial für eine Umgestaltung herausgearbeitet. Denn Familienunternehmen brauchen sowohl belastbare Strukturen, die Beständigkeit geben, als auch Räume, die Veränderung zulassen. Nur dort, wo Bewegung möglich bleibt, kann Zusammenleben und Wirken langfristig gelingen.
Am Ende geht es nicht darum, ein bestehendes Haus vollständig abzureissen oder jeden Raum neu zu entwerfen. Vielmehr gilt es, zu verstehen, welche Strukturen weiterhin tragen, wo Öffnungen entstehen müssen, wo Energie und Erinnerungen über Jahrzehnte gespeichert wurden und welche Schwellen neu verhandelt werden sollten. Familie ist – wie jedes Haus – kein statischer Ort, sondern ein lebendiges Gefüge, das Pflege, Aufmerksamkeit und gelegentlich auch Umbau braucht.
Gerade Familienunternehmen stehen vor der Aufgabe, Herkunft und Zukunft so miteinander zu verbinden, dass beides Platz findet: Das Bewahrenswerte und das noch Ungebaute. Wer den eigenen Oikos bewusst betrachtet, erkennt nicht nur seine Grenzen, sondern auch seine Gestaltungsmöglichkeiten und dies im Einklang mit der Oikonomia. So wird aus dem geerbten Haus kein Denkmal, sondern ein Raum, in dem gemeinsames Wirken über Generationen hinweg möglich bleibt und ein Anbau neue Chancen eröffnen kann.
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