Nachfolge neu denken: Warum Unternehmertum auch im Übernehmen beginnt.

Wenn ich über Unternehmertum spreche, denke ich nicht nur an Gründung. Ich denke an Verantwortung für etwas, das bereits existiert, und für die Frage, wie wir es in die Zukunft führen.
Die stille Nachfolgelücke im Mittelstand
Gerade im deutschen Mittelstand wird diese Frage zunehmend drängend. In den kommenden Jahren suchen hunderttausende Unternehmen eine Nachfolge. Dabei zeigt sich immer wieder: Es fehlt nicht an gesunden Betrieben, sondern an Menschen, die bereit sind, sie weiterzuführen. Für mich liegt genau darin eine der grössten unternehmerischen Chancen unserer Zeit.
Mehr als Startup: Unternehmertum neu denken
Unternehmertum wird heute häufig stark mit der Startup-Welt verbunden – mit neuen Ideen, schnellem Wachstum und dem Aufbau von etwas Eigenem. Gleichzeitig liegt eine ebenso grosse Stärke im Weiterführen dessen, was bereits gewachsen ist: In Unternehmen mit Erfahrung, Beziehungen und Substanz. Wenn wir beide Perspektiven zusammendenken, öffnen sich neue Wege, auf denen unternehmerische Talente und bestehende Unternehmen zueinander finden können.
Eine Nachfolge ist dabei weit mehr als ein Übergabeprozess. Wer ein Unternehmen übernimmt, übernimmt Verantwortung für Menschen, Kultur und Kontinuität – und gleichzeitig die Möglichkeit, neue Impulse zu setzen. Genau in diesem Spannungsfeld entsteht unternehmerische Gestaltung: Nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Weiterdenken des Bestehenden.
Ein blinder Fleck im deutschen Unternehmertum
Ein englischer Begriff, der diesen Weg beschreibt, ist «Entrepreneurship through Acquisition» (ETA). International ist das ein etablierter Zugang ins Unternehmertum.
In Deutschland dagegen fehlt oft noch die Sichtbarkeit. Viele potenzielle Unternehmer:innen wissen schlicht nicht, dass dies ein möglicher Weg ist – oder wie sie ihn gehen können.
Wenn wir Nachfolge stärker als unternehmerische Option begreifen, verändert sich der Blick auf den Mittelstand. Es geht dann nicht mehr nur darum, Unternehmen zu erhalten, sondern darum, sie aktiv weiterzuentwickeln. Damit wird Nachfolge zu einem Ort, an dem Zukunft gestaltet wird – mit langfristiger Perspektive.
Mut und Verantwortung gehören zusammen
Für mich ist das auch eine Frage der Generationendienlichkeit. Es reicht nicht, Unternehmen zu übergeben. Entscheidend ist, in welchem Zustand und mit welchen Möglichkeiten wir sie an die nächste Generation weitergeben. Genau hier setzen Initiativen wie der ETA Hub bei UnternehmerTUM an: Sie schaffen Orientierung, bringen Menschen zusammen und machen diesen Weg ins Unternehmertum sichtbarer. Am Ende zeigt sich Unternehmertum dort am stärksten, wo beides zusammenkommt: Der Mut, Neues zu schaffen, und die Verantwortung, Bestehendes weiterzuentwickeln.
Christian Mohr ist Managing Director und CCO bei UnternehmerTUM und Gründer der Initiative FamilienUnternehmerTUM sowie des Nachfolge Hubs. Diese Plattformen stärken das Bewusstsein für die Bedeutung von Familienunternehmen und begleiten Mittelständler gezielt in den Bereichen Innovation und Transformation. Als Teil unseres FUTUN:Ökosystems bringt UnternehmerTUM Unternehmerfamilien zusammen – für den gemeinsamen Austausch, gegenseitige Unterstützung und den Zugang zu einem Netzwerk, das Übergänge aktiv gestaltet.

