Passgenaue Innovation durch Konflikte: Wie Unternehmerfamilien Mediationskompetenz nutzen.

Unternehmerfamilien sind mit Fragen konfrontiert, die exklusiv durch die Kombination von Familie und Unternehmen eine besondere Chance und Brisanz gleichzeitig erhalten. Werden Einigungsfähigkeit, Vertrauensverhältnis, Respekt füreinander und das Wissen um die Qualitäten des Gegenübers gut gepflegt, gibt es kein stabileres Modell als die viele Generationen überdauernde Unternehmerfamilie.
Die dafür wichtigste Kompetenz wirkt fast wie Zauberei. Sie ist aber in Wirklichkeit bodenständiges, solides Handwerkszeug: Die Mediationskompetenz. Sie löst Konflikte. Man kann sie selbst anwenden. Oder die Mediationsaufgabe delegieren.
Beispiel: Drei neue Patente und WinWinWin
Unternehmer Ulrich sagte Jahr für Jahr im Januar zu seinem Schwiegersohn Max: «Nächstes Jahr übergebe ich Dir die Firma.» Der Teppich unter dem Schreibtisch des mittlerweile gar nicht mehr so jungen Max war durchgewetzt von seinen sprichwörtlich «scharrenden Hufen». Im x-ten Jahr kündigte Max schliesslich an, seine «Warten auf Godot»-Position zu verlassen.
In der Mediation entdeckte Ulrich, dass es vor allem einen Bereich seines Unternehmens gab, für den sein Herz wirklich - schon immer - schlug: Forschung + Entwicklung! Alle anderen Aufgaben hatte er pflichtbewusst in den vergangenen Jahren mitgetragen. Ein Herzensanliegen waren einige Bereiche für ihn schon lange nicht mehr.
Nachdem Max [zufällig?] genau die Aufgaben besonders spannend fand, die für Ulrich weniger attraktiv geworden waren, meldete Ulrich nach seinem Wechsel ins Erfinderteam innerhalb eines Jahres drei neue Patente an. Währenddessen baute Max die strategische Unternehmensentwicklung weiter aus. Beide waren jeweils in ihrem Element. Glücklich. Erfolgreich. Und verblüfft, dass sie auf diese Idee nicht schon vorher gekommen waren.
Mediationskompetenz ist ein logisch strukturiertes Verfahren, welches Konflikte in Lösungen verwandelt, die individuell und massgenau zu Lösungserfindern und Lösungserfinderinnen passen, die sie gestalten. Wie ein Massanzug.
Gerichte sollen objektiv urteilen. Mediationskompetenz darf und soll subjektiv stärken.
Wenn zwei Schwestern sich um eine Orange streiten, dann hilft die Frage: WOFÜR IST DIR DIE ORANGE WICHTIG? Und wenn die eine Schwester sich die Vitamine wünscht und den gesamten Saft für die Gesundheit braucht und die andere Schwester einen Kuchen backen möchte, um der Oma mit dem Kuchen eine Freude zu bereiten, um den familiären Zusammenhalt zu stärken - und dafür die gesamte Schale benötigt, gelingt die Lösung: WEIL Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Als ich diesen Grundsatz am Friedenspalast in Den Haag in den Achtzigern im Rahmen meines Jurastudiums erstmalig hörte, hielt ich ihn für weit entfernt von der Realität - und für das Gegenteil von der wirklichen Welt. Ich dachte damals: Menschen im Konflikt seien doch ganz anders.
Nun arbeite ich mit meinem Team seit mehreren Jahrzehnten als Mediatorin und wir stellen gemeinsam fest: In jedem [!] Thema steckt auch ein bisschen eine «Differenz à la Orangenbeispiel» kurz: «Orangen-Differenz oder O-Differenz». Da der erste Buchstabe des Wortes Orange der Ziffer Null zum Verwechseln ähnlich sieht, zeigt dieses Spiel mit O und 0 welch feine Unterschiede echte Unterschiede machen. Durch das sorgfältige Herausarbeiten selbst kleinster «O-Differenzen» entstehen Spielräume. Mal ist ein Gesellschafter mehr technisch und eine Gesellschafterin mehr betriebswirtschaftlich affin, mal interessiert sich eine Person mehr für die unternehmerische Gestaltungsmöglichkeit und die andere mehr für die Produktweiterentwicklung. Sogar Zwillinge, die gemeinsam Unternehmen leiten, haben wir in ihren Interessen noch nie als hundertprozentig identisch erlebt. Selbst eineiige Zwillinge nutzen ihre O-Differenzen mit Mediationskompetenz.
Diese Unterschiedserarbeitung ist ein sehr sorgfältiger, präziser, strukturierter, kreativer und vor allem logischer Prozess, der im Nachhinein völlig selbstverständlich wirkt. Zeig‘ mir Deinen Konflikt und wir suchen die WinWinWin-bringende O-Differenz mit Mediationskompetenz.
Anita von Hertel löst als «Pionierin der internationalen Wirtschaftsmediation» [DIE ZEIT] Konflikte in Familienunternehmen und Teams. Ihre klare Struktur und die jahrzehntelange Spezialisierung sowie die Liebe zum Menschen beflügeln das Gelingen und die Innovationskraft jeder ihrer Mediationen.
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