Das brand eins Übernehmertum: Warum es für unsere Community ein neues Wort brauchte.

Seit diesem Spätsommer gibt es von brand eins eine Community für Menschen, die im Mittelstand Verantwortung übernehmen: Nachfolgerinnen und Nachfolger, Erbinnen und Erben, Käuferinnen und Käufer, junge Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie treffen sich in Online-Werkstätten, Masterclasses oder auch bei gemeinsamen Abendessen zum Austausch auf Augenhöhe. Als wir sie aufbauten, fehlte es uns nie an Programm, wohl aber an einem treffenden Namen für diese besondere Gemeinschaft. «Nachfolgerin und Nachfolger» klang nach jemandem, der hinterhergeht. Also haben wir kurzerhand ein neues Wort erfunden: Übernehmertum.
Wer nachfolgt, geht hinterher
Die deutsche Sprache denkt den Generationenwechsel vom Vorgänger her. Nachfolgen heisst wörtlich: hinter jemandem hergehen. Wer nachfolgt, tritt in die Fussstapfen eines anderen. Die Richtung ist vorgegeben, der Massstab auch. In Gesprächen mit jungen Unternehmerinnen und Unternehmern höre ich diese Last immer wieder heraus: Sie werden an dem gemessen, was war. Selten an dem, was sie in Zukunft vorhaben.
Was im Übernehmen steckt
«Übernehmen» ist ein erstaunlich vielschichtiges Verb. Man übernimmt ein Unternehmen, eine Aufgabe, die Verantwortung, die Haftung. Man übernimmt aber auch Haltungen, Gewohnheiten, manchmal ganze Glaubenssätze der Eltern. Und reflexiv gewendet, ist das Wort auch eine Warnung: Wer sich übernimmt, trägt mehr, als er tragen kann. Genau diese Doppeldeutigkeit wollten wir. Übernehmen ist eine aktive Entscheidung – und sie ist riskant. Wer übernimmt, übernimmt keine fertigen Lösungen, sondern vor allem viele offene Fragen.
Das Tun im Tum
Bleibt die Endung. Das Suffix «-tum» bezeichnet eine Gruppe von Menschen und alles, was zu ihr gehört – wie etwa im Bürgertum – oder einen Zustand, eine Haltung. Es geht auf das althochdeutsche «tuom» zurück, das zum Verb «tun» gehört. Mir gefällt diese Herkunft: Im Übernehmertum steckt das Tun. Und es steckt das Unternehmertum darin, von dem es sich nur durch zwei Buchstaben unterscheidet. Unternehmen hiess ursprünglich, etwas in die Hand zu nehmen, etwas zu wagen. Das französische «entreprendre» trägt denselben Gedanken. Über statt unter: Wer übernimmt, beginnt nicht bei null, sondern baut auf das, was andere zuvor geleistet haben. Und ist doch Unternehmerin, Unternehmer im vollen Sinn.
Warum wir das tun
Das Hamburger Wirtschaftsmagazin brand eins erzählt seit mehr als 25 Jahren von Menschen, die Wirtschaft gestalten. In den kommenden Jahren stehen allein in Deutschland Zehntausende Familienunternehmen vor dem Generationenwechsel. Wohl in kaum einem Moment wird so viel entschieden wie bei einer Übergabe – und über kaum einen Moment wird so wenig offen gesprochen. Beim ersten Übernehmertum-Dinner in Hamburg erzählten viele Gäste, sie fühlten sich einsam an der Spitze. Was sie suchen, sind weniger Ratschläge als Resonanz: Menschen, die dieselbe Frage kennen, weil sie gerade selbst vor ihr stehen. Journalismus beobachtet. Eine Community hört zu. Wir wollen beides: Wissen teilen, in Formaten, in denen Wissenschaft und Praxis gemeinsam auftreten, und Räume öffnen, in denen Zweifel erlaubt sind. Die Reihe unserer Online-Werkstätten eröffnet am 3. November Marcel Megerle von FUTUN, mit einer Frage, die viele umtreibt: Wie gehe ich mit meinen Eltern um, wenn sie meine Vorgänger sind? Für mich liegt darin der Kern von Generationendienlichkeit: dass die Nächsten nicht nur folgen, sondern übernehmen. Mit allem, was dazugehört. Auch mit dem Mut, es anders zu machen.
Daniel Ramm ist Journalist und arbeitet seit 26 Jahren für Medien und Magazine, unter anderem als Chefredakteur und Redaktionsleiter. Bei brand eins in Hamburg entwickelt er bei den Corporate Services Publikationen für Unternehmen und Institutionen. Seit Spätsommer 2026 begleitet er das brand eins Übernehmertum, die Community für Nachfolgerinnen und Nachfolger, Erbinnen und Erben und junge Führungskräfte im Mittelstand in der DACH-Region. Marcel Megerle hat das Projekt von Beginn an mit aufgebaut und geprägt. Beide verbindet die Überzeugung, dass Unternehmerfamilien Räume brauchen, in denen Generationen offen miteinander sprechen können.
Am 3. November 2026 eröffnet Marcel Megerle somit die erste Online-Werkstätten des Übernehmertums und gibt den Auftakt zu einem gemeinsamen Austausch über die Herausforderungen und Chancen unternehmerischer Nachfolge.
Und weil die Freundinnen und Freunde von FUTUN auch unsere Freundinnen und Freunde sind, erhalten Sie zehn Prozent Rabatt. Geben Sie dafür beim Ticketkauf einfach den Code UEBERNEHMERTUM15 ein.
Weitere Beiträge

