Gedanken zur Vermögenskultur: Die moralische Qualität des Reichtums.

Gibt es für Vermögende eine ethische Pflicht zu stiften und zu spenden?
Manche Vermögende gründen Stiftungen und sprechen davon, der Gesellschaft damit «etwas zurückzugeben». In öffentlichen Medien wird daraus bisweilen ein Anspruch – ja, geradezu eine Forderung. In dem Sinne, dass nur der Reichtum gut ist, der sich freiwillig und uneigennützig verschenkt. Diese Haltung ist einseitig, denn es sprechen auch gute Gründe dafür, den Reichtum zu behalten.
Provenienz des Vermögens
Der erste Punkt, den ich dafür ins Feld führe, ist die Herkunft des eigenen Geldes. Vermögende Familien in Europa verdanken in der Regel ihren Reichtum der Risikobereitschaft, der vorausschauenden Klugheit und dem persönlichen Einsatz von einem oder mehreren Familienmitgliedern. In den meisten Fällen hat das Familienunternehmen vielen Menschen eine auskömmliche Beschäftigung zu guten Bedingungen verschafft. Nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch Zulieferer und Partner wurden profitabel gemacht und nicht zuletzt den Kunden nützliche Produkte und Leistungen geliefert. Auch der Staat und die Sozialkassen haben Steuern und Beiträge erhalten, die direkt der Gesellschaft zu Gute kommen. All dies über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Eine moralische Notwendigkeit, darüber hinaus etwas abzugeben, besteht nicht, sondern dies ist die freie Entscheidung der Eigentümer und kann nicht gefordert, sondern bestenfalls nachträglich gelobt und anerkannt werden.
Möglichkeiten des Vermögens
Der zweite Punkt ist, dass der vorhandene Reichtum ein großes Potential für weiteres unternehmerisches Handeln ist. Mit ihm können nicht nur Mitarbeiter, Zulieferer und öffentliche Kassen sozialverantwortlich unterstützt, sondern auch künftige Innovationen angestoßen werden. Gerade die Bündelung von privatem Unternehmenskapital hat den Wohlstand der ganzen Gesellschaft in den letzten zwei Jahrhunderten beispiellos angehoben.
Spenden, oder weiter investieren?
Ob es besser ist, das Familienunternehmen zu verkaufen oder weiterzuführen, muss jede Familie selbst entscheiden. Es ist aber nicht unbedingt moralisch besser, zum Beispiel an chinesische Investoren zu verkaufen und anschließend eine gemeinnützige Stiftung zu unterstützen. Es kann ethisch wirksamer sein, das Unternehmen verantwortlich weiter zu führen, weil es so: A) für nachfolgende Generationen erhalten bleibt, B) weiter innovativ sein, C) weiter Mitarbeiter auf gute Weise beschäftigen und D) weiterhin Steuern zahlen kann, was alles der Gesellschaft zugutekommt. Unternehmen können individuelle und vorausschauende Akzente setzen, die ohne ihre «Eigenwilligkeit» gar nicht möglich wären. Es kann durchaus moralischer, also ethisch besser sein, Unternehmer zu bleiben, als Spender zu werden.
Selbstverständlich geht auch beides. Unternehmerfamilien und einzelne Vermögende können aber auch schon allein dadurch einen großen Beitrag leisten, wenn es ihnen gelingt, ihren Reichtum über Generationen hinweg zu erhalten.
Dr. Robert Velten schätzt das Konzept von FUTUN und hat sich mit dem Gründer darüber ausgetauscht, wie vermögende Familien nachhaltig durch Bündelung von Kompetenzen unterstützt werden können. Nach dem Studium der Philosophie, Soziologie und VWL war er zehn Jahre lang Unternehmensberater und Dozent an verschiedenen Hochschulen. Schließlich gründete er die Velten Asset Management GmbH und kam auf die Forbes-Liste der besten Fondsberater. Das Handelsblatt zählt ihn zu den renommiertesten Fondsmanagern Deutschlands. Neben seiner Dissertation bei Prof.Dr.Thomas Druyen veröffentlichte er mehrere Bücher über Kulturgeschichte und Vermögensentwicklung.
In den Gesprächen im Rahmen ausgiebiger Spaziergänge hat Herr Dr. Megerle viel von Herrn Dr. Velten als erfolgreicher Vermögensanleger zum Thema Vermögenskultur lernen dürfen und freut sich auf das Anknüpfen an den bisherigen Austausch in nächsten Begegnungen.
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